OK

Cookies ermöglichen eine bestmögliche Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Infos

Partner von LangnesePartner von Marco Polo



Home > Magazin > Eichenprozessionsspinner

Eichenprozessionsspinner



Sonntag, den 09.06.2019 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Magazin, Ferienparks, Zoos und Tierparks und Freizeitparks zu finden.

Eichenprozessionsspinner


Der Wonnemonat Mai hat in diesem Jahr nicht nur viele sonnige Tage gebracht, sondern leider auch ein verstärktes Aufkommen von Larven des Eichenprozessionsspinners (Thaumetopoea processionea), eines eher unscheinbaren Schmetterlings aus der Famile der Zahnspinner.

Eichenprozessionsspinner
Befall am unteren Stamm einer Eiche
Dass es sich bei den Tieren nicht nur um Schädlinge handelt, die Licht- und Kahlfraß verursachen, sondern auch um für den Menschen durchaus gefährliche Zeitgenossen, mag immer noch nicht jedem bekannt sein – die Brennhaare der Larven enthalten das Eiweißgift Thaumetopoein, das neben allergischen Reaktion auch toxisch wirkt und unter anderem Quaddeln, Eiterbläschen, Bindehautentzündung oder eine Bronchitis bis hin zur Atemnot verursachen kann. Wenn also irgendwo Nester der Eichenprozessionsspinner entdeckt werden, ist höchste Vorsicht geboten – gerade in Bereichen mit einem hohen Menschenaufkommen wie Freibäder, Freizeitparks oder auch Zoos.

Während in der Vergangenheit hauptsächlich die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt betroffen waren, sind die Eichenprozessionsspinner inzwischen überall in Deutschland zu finden und treten heute auch verstärkt in Nordrhein-Westfalen und in Berlin auf. Aufgrund der in diesem Jahr extrem hohen Population sind für das nächste Jahr ähnliche Zustände zu erwarten, die es erfordern, sich mit dem Thema durchaus etwas genauer zu befassen. Aus diesem Grunde haben wir bei Jörg Vester, Key Account Manager bei der F M Schädlingsbekämpfungs GmbH, genauer nachgefragt, was man bei einem Befall tun kann und welche Möglichkeiten der Vorbeugung existieren.

Das gesamte Interview findet Ihr in der parkscout|plus Ausgabe 2/2018

Interview

Parkscout: In den Medien ist zur Zeit verstärkt von der Gefahr durch Eichenprozessionsspinner die Rede. Was sind das überhaupt für Tiere und wie gefährlich sind sie für den Menschen oder für andere Lebewesen?

Eichenprozessionsspinner
Jörg Vester, F M Schädlingsbekämpfung
Jörg Vester: Der Eichenprozessionsspinner ist ein eher unscheinbarer Schmetterling, der seine rund einen Millimeter großen Eier im Juli/September an dünnen Nebenästen von Eichen legt, meistens weit oben. Daraus entwickelt sich dann im Herbst ein Embryo, die Larve überwintert im Ei. Anfang Mai schlüpfen die Larven schließlich und häuten sich in der Folge fünf- oder sechsmal. Ab der dritten Häutung entwickeln sie die gefährlichen Brennhaare, die allergische Reaktionen auslösen. Dabei sind die Haare so dünn, dass sie leicht abbrechen und vom Wind davongetragen werden.

Wenn ein Mensch anschließend damit in Berührung kommt, entsteht nach etwa vier bis sechs Stunden ein stark juckender Ausschlag, der sieben bis zehn Tage anhält – zur Milderung hilft hier nur eine Behandlung mit Cortison. Der Eichenprozessionsspinner ist aber nicht nur für den Menschen gefährlich, sondern auch für Tiere. So können die Brennhaare zum Beispiel bei Hunden durch Schnuppern in die Schleimhäute gelangen und dort die bekannten Reaktionen auslösen.

Parkscout: Nehmen wir an, ein Zoo oder Freizeitpark entdeckt auf seinem Gelände Nester mit den Tieren. Wie sollte er vorgehen?

Jörg Vester: Wenn Nester des Eichenprozessionsspinners gesichtet werden, sollte das Gebiet rund um den Baum sofort weiträumig abgesperrt werden – in einem Umkreis von mindestens drei bis fünf Metern. Danach sollte sofort ein Fachmann angerufen werden, der noch einmal verifiziert, ob es sich dabei tatsächlich um einen entsprechenden Befall handelt. Wenn dem so ist, bringt man am besten umgehend ein entsprechendes Warnschild an und sorgt für eine schnellstmögliche Beseitigung der Nester.

Das gesamte Interview findet Ihr in der parkscout|plus Ausgabe 2/2018

Kosten für die Beseitigung

Parkscout: Mit welchen Kosten muss man rechnen, wenn Nester auf dem Grundstück gefunden werden?

Jörg Vester: Pro Baum kann man in etwa mit Kosten von 400 Euro rechnen. Dazu noch eventuell weitere Kosten für Hebebühnen, die der Auftraggeber besorgen muss.

Parkscout: Wie genau werden die Nester beseitigt?

Jörg Vester: Sobald die Raupen das dritte Häutungsstadium erreicht haben, kann man das Problem nur noch mechanisch beseitigen – also durch Absaugen der Nester mit speziellen Asbestsaugern. Das Nest muss dann anschließend doppelt gesichert und in einer Verbrennungsanlage entsorgt werden. Früher wurden danach noch die Stämme abgeflämmt, aber dies wird aus zwei Gründen heutzutage nicht mehr so gehandhabt: Erstens besteht eine Brandgefahr – besonders in Trockenperioden, und zweitens besteht die Möglichkeit, dass dabei verbliebene Haare beim Abbrennen wegfliegen.

Eichenprozessionsspinner
Schmerzhafter Hautausschlag nach dem Kontakt
Parkscout: Ist die Gefahr gebannt, wenn die Raupen ihr Endstadium erreicht haben?

Jörg Vester: Der Schmetterling schlüpft zwar Mitte/Ende Juli, aber die Gefahr durch die Nester bleibt leider trotzdem weiterhin bestehen, da die Haare ja immer noch vorhanden sind und selbst nach fünf Jahren noch gefährlich sind. Abgesaugt werden müssen sie also so oder so. Bei Eichen, die sieben oder acht Meter hoch sind, sollte das Absaugen in der Regel kein Problem darstellen, aber wenn die Nester noch höher sitzen, kommen wir mit unseren Gerätschaften nicht mehr ran. Im Notfall bleibt dann keine andere Lösung mehr übrig, als den Baum zu fällen.

Parkscout: Kann man etwas dagegen tun, dass die Eichenprozessionsspinner einen Baum befallen und dort ihre Nester bauen?

Jörg Vester: Wenn man einen Befall mit Eichenprozessionsspinnern hatte, besteht die Gefahr, dass es im folgenden Jahr wieder dazu kommen wird, da die Tiere oftmals das gleiche Gebiet zur Eiablage nutzen. Es gibt die Möglichkeit der Prophylaxe: Man kann versuchen, die Raupen biologisch zu bekämpfen mit Hilfe des Bazillus Thuringiensis, der auf die Blätter gesprüht wird und dafür sorgt, dass die Darmwand der Raupen perforiert wird, wenn sie die Blätter fressen – die Raupen bekommen Durchfall und trocknen sozusagen aus. Hier gilt aber auch, dass dies nur bei niedrigeren Bäumen möglich ist – an die Kronen hoher Eichen kommt man kaum ran. Natürlich könnte man theoretisch auch den Eichenbestand abholzen, aber aus Naturschutzgründen ist dies auch problematisch.

© parkscout/MV, Fotos: F M Schädlingsbekämpfungs GmbH



KOMMENTARE     Eigenen Kommentar verfassen

Noch kein Kommentar abgegeben!


Hier eigenen Kommentar verfassen


Name (wird angezeigt)


E-Mail (wird nicht angezeigt, optional)


Webseite (wird angezeigt, optional)
Ihr Kommentar


Bitte den Text in der Grafik eingeben
(zwei Worte mit Leerzeichen)




Newsletter verwalten

-->