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Dienstag, den 16.01.2007 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Zoos und Tierparks und Pressemeldungen zu finden.

Achtung, alter Parkscout-Artikel

Mutter kann ihr Kind allein nicht vollständig aufziehen


PressemitteilungBange Stunden im Thüringer Zoopark. An einem Monitor im rückwärtigen Teil des Nashornhauses verfolgen Zoomitarbeiter erwartungsvoll die ersten Reaktionen von Nashornkuh "Temba" als frisch gebackene Mutter. Wird sie dieses Mal ihr Kind problemlos aufziehen oder wird es dem jetzigen Nachwuchs genauso wie seinem Bruder "Amari" gehen, der 2005 unter Mühen mit der Flasche aufgezogen werden musste?

Nach einer Tragzeit von 16 Monaten hatte die 9-jährige "Temba" am 15. Januar um 13.57 Uhr ihr zweites Kind, ein Weibchen, geboren. Eine Dreiviertelstunde später stand das Nashörnchen erstmals fest auf seinen viel zu groß scheinenden Füßen und begann, wenn auch zögerlich, an seiner Mutter nach der Milchquelle zu suchen. Doch obwohl im Nashornhaus absolute Ruhe herrschte und lediglich zwei Kameras als stumme Zeugen jede Regung von Mutter und Kind registrierten, war die Mutter wie beim letzen Mal sehr unruhig. Das kleine Nashornmädchen erhielt keine Chance, das mütterliche Euter zu finden. Da half dem schwergewichtigen Baby auch seine überdurchschnittliche Vitalität nichts. Um diese aufrechtzuerhalten und natürliche Abwehrreaktionen des Neugeborenen gegenüber der Umwelt ausbilden zu können, benötigte das Kleine dringend die immunisierende Erstlingsmilch seiner Mutter.

"Die Nashornkuh", so Zoodirektor Dr. Norbert Neuschulz, "habe auch nach der zweiten Niederkunft ihr übersteigertes Verhalten nicht abgelegt, dem Neugeborenen auf Schritt und Tritt zu folgen, anstatt ruhig stehen zu bleiben, um ihm so die Möglichkeit zu geben, nach Versuch und Irrtum das Euter zu finden." Am Abend blieb dann nur, "Temba" medikamentös zu beruhigen. Aber auch das half nichts. So musste das Nashörnchen fürs Erste mit einer künstlichen Milch versorgt werden. Darüber hinaus erhielt es zur Steigerung seiner Abwehrkräfte Gamma-Globuline. Noch bestand Hoffnung, dass es vielleicht bei diesem einen Mal Flaschegeben bleiben würde.

Diese Hoffnung schwand allerdings im Laufe der Nacht und bei einem weiteren Versuch am Morgen, die Mutter doch noch zum Säugen zu bewegen. Jetzt wird versucht, das immer schwächer werdende Jungtier im Beisein von "Temba" durch die Gitterstäbe des Innengeheges hindurch mit der Nuckelflasche zu tränken. Der sogenannte Milchaustauscher besteht je zur Hälfte aus 1,5 %iger Kuhmilch und einem Fohlenaufzuchtpräparat versetzt mit einem milchzuckerabbauenden Ferment. Würde das die sich schnell aufregende Nashornkuh tolerieren, könnten Mutter und Kind trotz siebenmaligem täglichen Flaschegeben von 6 bis 21 Uhr zumindest zusammenbleiben. Allein dieser Sozialkontakt, für den die Aussichten gegenwärtig nicht schlecht stehen, würde sich laut Zootierarzt Dietmar Kulka sehr positiv auf die Kindesentwicklung auswirken.

Nach Auskunft des Koordinators des Erhaltungszuchtprogramms für Breitmaulnashörner Lars Versteege aus dem niederländischen Safaripark Beekse Bergen ist das Erfurter Nashornkind das erste Jungtier seiner Art, das 2007 in Europa zur Welt kam. Voriges Jahr wurden insgesamt fünf Südliche Breitmaulnashörner in Europa geboren, drei davon in Holland. Das sind immer noch viel zu wenig. Im Thüringer Zoopark wurden nach Eröffnung des neuen Nashornhauses 1998 vier Breitmaulnashörner geboren. Mit den beiden von Mohr Media aus Erfurt installierten Kameras konnten übrigens weltweit erstmals detaillierte Aufnahmen von einer Nashorngeburt macht werden.


© Parkscout / Thüringer Zoopark



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